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HINTERGRUND: Was bringt Prepaid-Strom?

Die Verhandlungen über eine Große Koalition in Deutschland laufen auf vollen Touren. Angesichts immer häufigerer Stromsperren aufgrund nicht bezahlter Rechnungen wird im Rahmen des energiepolitischen Kurses für die kommenden Jahre laut diskutiert, erstmals in Deutschland Vorauskasse-Stromzähler einzuführen und Prepaid-Strom per Guthabenkarte anzubieten. Das Prinzip ist ein ähnliches wie bei Prepaid-Mobiltelefonie: Der Kunde erwirbt und bezahlt ein bestimmtes Guthaben. Ist dieses verbraucht, muss erneut aufgeladen werden. Die Frage ist: Eignet sich das Modell auch tatsächlich, um dem Problem der Zahlungsausfälle bei Stromrechnungen Herr zu werden?

Die Fakten zum Themen Stromsperre

Immer mehr Haushalte in Deutschland bezahlen ihre Stromrechnungen nicht und sind zumindest temporär gesperrt. Da Stromsperren meldepflichtig sind, hat die Bundesnetzagentur einen guten Überblick über die Situation. Sie geht derzeit von rund 300.000 gesperrten Stromzählern aus, das entspricht einem Anteil von fast einem Prozent aller Stromzähler. Gerade zu Beginn des Winters ist das eine kritische Zahl, da in vielen Fällen auch Heizung und warmes Wasser am Strom hängen.

Großbritannien als Vorbild?

Wenn hierzulande über das Thema Prepaid-Strom zur Prävention von Zahlungsausfällen nachgedacht wird, richtet sich der Blick fast zwangsläufig nach Großbritannien, wo das Prepaid-Modell für zahlungsschwache Kunden seit Jahren Anwendung findet. In Großstädten werden dort ganze Viertel per Vorauskasse mit Strom versorgt, indem der Stromzähler immer wieder mit frischem Guthaben durch die Kunden gefüttert wird. Mit den Stromzählern fangen aber auch die Probleme an: Die Kosten für die Umrüstung von Zählern liegen pro Anschluss bei rund 60 Euro. Bei knapp über 40 Millionen Stromzählern in Deutschland entstehen durch die flächendeckende Prepaid-Option Kosten von insgesamt knapp 2,5 Milliarden Euro. Wer diese zu tragen hätte, ist ziemlich klar; es würde zu einer Mehrbelastung aller Stromkunden kommen.

Leider zeigt das Beispiel Großbritannien ebenfalls, dass Prepaid-Strom per Guthabenkarte auch im laufenden Betrieb nicht günstiger ist als Strom mit herkömmlichem monatlichem Abschlag und Jahresrechnung - ganz im Gegenteil: Während bei typischen Laufzeitverträgen einmal im Jahr der Zählerstand abgelesen wird und für die Jahresrechnung verwendet wird, kommt es durch ständige Aufladungen zwangsläufig zu höherem Aufwand auf Seiten des Stromanbieters, was Planung, Abrechnung und Kundenservice angeht. Für die Guthabenkarten selbst, die man in Großbritannien an Aufladestationen und ganz normal im Handel erwerben kann, entstehen Kosten für Produktion, Distribution und Vertrieb. All dies führt dazu, dass Prepaid-Strom preis-technisch ein Eigentor zu werden droht.

Verschiedene Interessen unter einen Hut bringen

Klar ist: Strom, der verbraucht wird, muss auch bezahlt werden, schließlich sind den Stromanbietern entsprechende Kosten für Beschaffung und Transport entstanden, wenn der Kunde Strom verbraucht. Steigende Zahlungsausfälle sorgen dafür, dass die Strompreise für alle anderen Kunden angehoben werden müssen, was nicht akzeptabel ist. Für die Politik stellt sich damit eine knifflige Aufgabe: Anders als bei bestimmten Konsumartikeln, die sich einzelne Verbraucher unter Umständen nicht leisten können, kann dem Staat nicht daran gelegen sein, sozial Schwache weiter abzuhängen, auch wenn diese ihre Stromrechnung nicht bezahlen. Gleichzeitig darf es natürlich aus Sicht des Staates keine Lösung sein, für einzelne Verbraucher einen Blankoscheck beim Thema Stromverbrauch auszustellen.

Statt Schnellschüssen, die sich als teuer und ineffizient erweisen können, muss über intelligente Lösungen nachgedacht werden, die den Interessen aller Marktteilnehmer gerecht werden und dabei den Wettbewerb auf dem Strommarkt nicht durcheinander bringen. Lösungen von Politk und Industrie sollten dazu führen, dass jeder Haushalt in Deutschland mit Strom versorgt wird. Fördersätze für sozial schwache Haushalte sollten bei steigenden Marktpreisen angepasst werden und auch die Ausweitung von Sozialtarifen sollte kein Tabu sein, wenn sich dies als zielführend erweist. Und schließlich sollten Verbraucher weder entmündigt werden noch zu einfach aus ihrer Verantwortung für die Begleichung ihrer Rechnungen entlassen werden.

vom 09.12.2013

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Leserkommentare zu HINTERGRUND: Was bringt Prepaid-Strom?

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Es ist 1 Kommentar zu "HINTERGRUND: Was bringt Prepaid-Strom?" vorhanden:

Unsinn
von tomtom am 08.03.2014 um 15:32

Warum glaubt man, das Problem der Stromsperren zu lösen, indem sich der Stromkunde de facto nur selbst sperrt? Richtig! Es wird nirgends registriert, wenn die Karte eines Kunden bereits vor Monatsende leer ist. Die Strompreise sind im Übrigen nicht so hoch weil es säumige Kunden gibt, sondern weil selbst der prekärste Minijobber die Energiewende mit bezahlt, während potiente energieintensiver Industrieunternehmen Sonderkonditionen erhalten.